Moderne Varianten


Moderne Varianten

 

Metallische Schornsteinaufsätze sind seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Diese wurden ausschließlich zur Zugverbesserung, also aus rein technischen Gründen eingesetzt und bestanden aus einfachem Schwarzblech. Die Bleche wurden mit Pech gestrichen oder galvanisiert, um zu kurze Standzeiten aufgrund schnell einsetzender Korrosion zu vermeiden. Unterschieden wird zwischen beweglichen und starren Aufsätzen. Wegen der hohen Korrosionsanfälligkeit wurden zunächst überwiegend starre Aufsätze verwendet. Das änderte sich erst in den 1980iger Jahren durch die weite Verbreitung von preisgünstigen Edelstählen.

Rostige Schornsteinaufsätze Korrosion

Metallische Kopfverlängerungen

Rost Schornsteinerhöhung Korrosion

Korrosion durch Abgasangriff

Die meisten beweglichen Edelstahlaufsätze produzieren bei Wind einen Unterdruck im Schornstein, der den Zug verbessern soll. Sofern allerdings gerade mal kein Wind bläst, stellen die drehbaren Zylinder und Kugeln ein Strömungshindernis dar, welches der angestrebten Zugverbesserung gerade widerläuft.

 

Schornsteinaufsätze aus Beton, oft sehr kurze, breite Konstruktionen, manchmal mit zusätzlicher Abdeckung gegen Regen, waren in den 1960iger und 1970iger Jahren besonders in den Benelux-Ländern beliebt. Sie haben technische Funktion (Lamellen, Beschleunigung der Abgasfahne bei Wind) und kaum gestalterischen Anspruch. Die Standzeit ist begrenzt, weil die Schwefelbestandteile im Rauchgas dem Beton auf Dauer zusetzten.

Verwittert Kaminaufsatz Korrosion Säureangriff

Betonaufsatz (im Endstadium)

Die letzten 50 Jahre waren schornsteinseitig  in Deutschland geprägt von technischen Weiterentwicklungen zur Steigerung der Montagegeschwindigkeit und den Weiterentwicklungen bei den  Wärmerzeugern. Von handwerklich gemauerten Schornsteinen nach dem 2. Weltkrieg ging die Entwicklung zu vorgefertigten Leichtbetonformsteinen, danach zu mehrschaligen Schornsteintypen, bestehend aus einer Außenschale, teilweise mit innen liegender Dämmung, und einer Abgas führenden Innenschale aus Keramik. Energiesparbemühungen sorgten ab den 1980iger Jahren für sinkende Abgastemperaturen bei den Wärmeerzeugern, die Schornsteinindustrie reagierte mit der Entwicklung von feuchteunempfindlichen Systemschornsteinen, um einer Versottung (Durchnässung) der Neubau-Schornsteine vorzubeugen. In den 90iger Jahren setzte sich die Brennwerttechnik bei den Wärmeerzeugern auf breiter Front durch, die Wärmeerzeuger selbst wurden häufig im Dachgeschoß installiert, ein Schornstein im herkömmlichen Sinne war technisch dafür nicht mehr erforderlich.

 

Bezüglich der Schornsteinkopfgestaltung sind bei modernen Systemschornsteinen leider keinerlei Bemühungen erkennbar. Überwiegend sind es kurze Kappenkonstruktionen aus Stahlblech oder Faserzement, im günstigsten Fall keramische Häubchen. Der sichtbare Teil des Schornsteins ist dabei meist so unauffällig wie möglich gehalten, die vorgefertigten Schornsteinelemente werden mit Schiefer oder Stahlblech verkleidet, in der billigsten Variante wird der nackte Mantelstein einfach gestrichen, im aufwändigsten Fall verklinkert.

 

Parallel zu diesen Entwicklungen setzten sich ab den 80iger Jahren Edelstahl auch als bezahlbarer Baustoff durch. Wurden diese Stähle zunächst nur in der Industrie oder bei der Schornsteinsanierung zur Ertüchtigung von Bausubstanzen eingesetzt, finden sie sich heute vielfach als doppelwandige Stahlschornsteine auch an Einfamilienhäusern. Ein weiterer Einsatzbereich der Edelstähle sind die Schornsteinaufsätze, welche überwiegend im Bestand verwendet werden.