Schornsteingestalt im Wandel


Schornsteingestalt im Wandel

 

Schornsteinköpfe, d. h. der außen über Dach sichtbare Teil von Schornsteinen unterlagen im Laufe der Jahrhunderte einem vielschichtigen Wandel. Dieser Wandel war naturgemäß auch länderspezifisch, d. h. in England gab es andere Nuancen als z. B. in Polen. Diese länderspezifischen Unterschiede begründen sich in lokaler Bautechnik, der lokalen Verfügbarkeit von Baustoffen, lassen sich aber auch durch unterschiedliche  Schwerpunkte bei den angeschlossenen Wärmerzeugern herleiten. Ein offener Kamin, im milden Klima Englands als Heizquelle vermutlich ausreichend, verlangt einen anderen Schornstein als z. B. ein leistungsstarker Kachelofen, der in den nördlichen Alpenländern ab dem Mittelalter nachweisbar ist.

 

Als Baumaterial lässt sich bei den ganz frühen Schornsteinen grober Bruchstein ausmachen, später bearbeiteter Sandstein. Mit der Wiederentdeckung gebrannter Ziegel als Baumaterial im mitteleuropäischen Raum gegen Ende des 12. Jahrhunderts mit Beginn der Gotik setzten sich diese auch beim Schornsteinbau durch.

Auffällig sind dabei die Kunstfertigkeit und der handwerkliche Aufwand, mit dem bei herrschaftlichen Gebäuden die Ziegelsteine vorbereitet und verarbeitet wurden. Es darf wohl geschlossen werden, dass diese massiven, sehr hohen Schornsteinkopfkonstruktionen einen erheblichen repräsentativen Wert besaßen, als weithin sichtbares Zeichen einer fortschrittlichen Heiztechnologie oder schlicht als Zeichen eines angenehmen, weil beheizten Hauses.

Baddesley Clinton, ca. 1300

Bramall Hall, Tudorstil, ca. 1500

Tudor Schornstein KAmin Aufsatz handwerklich historisch englisch

Schornsteindetail, Tudorstil

Schornsteinplanungsdetail, Tudorstil

Knole House, Seven Oaks, ca.  1480, Kent

Die runden, einzügigen und sehr hohen Schornsteinkopfkonstruktionen der Spätgotik machten in der Folgezeit dann einer mehreckigen, häufig oktagonalen, später rechteckigen oder quadratischen mehrzügigen Konstruktion Platz. Ursache dafür war vermutlich neben dem gestalterischen Aspekt die praktikablere Gebäudeanbindung und der Trend möglichst allen Räumen im Gebäude einen Schornsteinzug und damit eine Möglichkeit zur Beheizung zu geben.

 

Gleichzeitig wichen mit dem Beginn der Renaissance die in kunstvoller Handarbeit gestalteten Ziegelköpfe einer immer noch aufwändigen, aber verputzten Variante, teilweise geschmückt durch einen wiederum gestalterisch prägenden Schornsteinaufsatz.

Burghley House, 1587

Chateau de Chambord, 1539; Renaissance; Das Schloß besitzt 365 Feuerstellen, die Schornsteine gehen allerdings zwischen den Laternen und Likarnen optisch etwas unter.

Stadthuis Antwerpen, ca. 1564; Barock; Die 4 mächtigen Schornsteine sind streng geometrisch verteilt über die Gebäuudeachse.

Chateau de Maisons, ca. 1642, Barock; Auffällig: Die Schornsteine liegen in den Aussenmauern.

Vaux le Viconte, ca. 1661, Barock

Thorpe Hall, ca. 1655; Barock

Sudbury Hall, ca. 1660, Barock; auch hier liegen die Schornsteine teilweise schon auf den Aussenmauern.

Seaton De Laval Hall, ca. 1718; englischer Barock.

House of Dunn, ca. 1730, Georgian House

Amalienborg, Copenhagen, ca. 1760

Schloss Solitude Stuttgart, 1775, Rokoko

Konstruktiv lagen die Schornsteine bzw. mehrzügigen Schornsteinblöcke als massive Konstruktionen meist mitten in den Gebäuden, die Köpfe geometrisch verteilt über den Giebel. Die Gebäude wurden um die Schornsteinblöcke herum gebaut, die Blöcke nahmen auch statisch tragende Funktionen war. Ab dem 17. Jahrhundert verschoben sich die Schornsteine zum Teil auch in Richtung Außenmauern.

 

Ab dem 16. Jahrhundert wurden Schornsteine und damit auch Schornsteinaufsätze zum Massenphänomen auch in bürgerlicheren Haushalten. Grund dafür war zunächst die weite Verbreitung von offenen Kaminen oder auch Öfen als komfortable Einraumheizung. Darüber hinaus gewann der gestalterische Aspekt an Bedeutung, es sind aus dieser Zeit auch Kopfkonstruktionen ohne irgendeine Schornsteinfunktion nachweisbar.

 

Gleichzeitig wurde die Ofentechnik weiter entwickelt, zunächst in handwerklich aufwändigen Einzelanfertigungen, ab 1850 auch in industriellen Stil. Die Lage des Schornsteins im Gebäudegrundriss verschob sich dabei weg vom Gebäudemittelpunkt, hin zur Mitte in den Giebelwänden.

Lemmer, Niederlande, ca. 1750

Chester, Mittelengland

keramischer Kaminaufsatz Schampelheide Hergenrath

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