Zur Geschichte des Schornsteins


Zur Geschichte des Schornsteins

 

Die Geschichte der Schornsteinaufsätze lässt sich etwa 800 Jahre zurückverfolgen. An noch bestehenden Gebäuden können in Europa Schornsteinkonstruktionen ab etwa dem 12. Jahrhundert nachgewiesen werden.

 

Vorher wurden die Abgase der mit Holz, Torf oder Kohle betriebenen offenen Feuerstellen oder mobilen Feuerkörbe über Öffnungen in den Wänden oder dem Dach, in mehrgeschossigen Festungsanlagen teilweise auch schon über eingeschossige Kanäle in den Wänden nach draußen abgeführt. Die fest montierten, häuslichen Feuerstellen dienten in erster Linie der Nahrungszubereitung, ortsfeste Konstruktionen mit ausschließlicher Heizfunktion waren in mitteleuropäischen Gebäuden die Ausnahme.

Mehrere Ursachen führten dann in der ersten Hälfte des 2ten Jahrtausends zur schnellen Verbreitung von Schornsteinen. Zum einen setzte sich die mehrgeschossige Bauweise durch. Diese wurde auch gefördert durch zunehmende Stadtgründungen (welche im deutschen Raum etwa im 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand) und die damit einhergehenden beengteren Platzverhältnisse innerhalb der Stadtmauern. Eine offene Rauchgasführung in mehrgeschossigen Gebäuden ist nachvollziehbarer Weise für die Bewohner der oberen Etagen schwer erträglich.

 

Hinzu kam das Gefährdungspotential der offenen Feuerstellen und auch der offenen Rauchgasführung. Einfache Häuser waren in aller Regel überwiegend aus Holz gebaut, jedenfalls mit Holzständerwerk. Die Dacheindeckung erfolgte ebenfalls mit brennbaren Baustoffen, Reetdächer oder Holzschindeln waren üblich. Ein Hausbrand im engen städtischen Umfeld konnte verheerende Folgen haben, so dass die Stadtverwaltungen hier schon aus Gründen des Brandschutzes schnell Regulierungsbedarf erkannten: Schornsteine, Baumaterialien und Nutzung des Feuers wurden Objekte städtischer Vorschriften.

 

Anders lagen die Dinge im Bereich der Adelssitze und –anwesen. In der Epoche der frühen Gotik erfolgte allmählich ein Wandel von der Burg zum Schloss. Hatten bis dato die Adelssitze eher den Charakter befestigter Wehranlagen, erfolgte nun eine langsame Änderung hin zu komfortableren Wohnburgen oder Schlössern, zunehmend auch mit repräsentativen Funktionen.

 

Ab etwa dem 14. Jahrhundert wurden zunächst in aufwändigeren Häusern, Schlössern und Landsitzen Schornsteine regelmäßig eingebaut. Die Feuerstellen waren entweder geschlossene Ofensysteme oder aber offene Kamine, funktionsseitig damals eher gewaltige Essen, unter denen relativ kleine Holz- oder Kohlefeuerungen betrieben wurden. Offene Feuerung im Haus und sichtbarer Schornsteinkopf außerhalb des Hauses dienten zum einen als Raumheizer, zum anderen auch zu repräsentativen Zwecken.